Mit dem Fahrrad durch halb Italien. Damit es gleich mal nach was klingt, habe ich beschlossen diese Tour Transitalia zu nennen. Zusammen mit meiner Freundin Susanne bin ich also gute drei Wochen im Land des Radfahrens, des fantastischen Essens und der Lebensfreude unterwegs. Lest mal hier über Teil 1 der Strecke. Die ganzen Fotos gibt’s auf Instagram. Ich stelle hier nur ein paar rein.
Mit unseren Rädern (sauber verpackt in Radkartons) fliegen wir mit der AUA (Rad mitnehmen funktioniert übrigens super!) von Wien nach Rom. Die Flughafenhalle wird dann kurzerhand in eine Radwerkstatt umgewandelt und innerhalb von einer Stunde haben wir unsere Räder ausgepackt, aufgebaut und mit Gepäck bestückt. Next Stop: Roma Tiburtina Stazione…. weil losgehen tut die Reise in Florenz. Mit dem Bummelregionalzug (nur hier kann man Räder mitnehmen) schaffen wir es bis Mitternacht nach Florenz und in unser airbnb.
Tag 1. Es geht los. Tagesziel: Siena, über 90 km. Erste Schwierigkeit… aus Florenz rauskommen ist gar nicht so einfach. Außerdem geht es in der Toskana andauernd bergauf und bergab (so wie alle vorher erzählt haben!), da schmelzen die Kilometer etwas langsamer dahin. Ziemlich erschöpft (weil ohne Mittagspause in der ärgsten Hitze gefahren) beenden wir den ersten Tag dann kurz vor San Gimignano…. Siena kommt dann halt morgen. Obwohl wir hungrig wie die Wölfe sind, schlafen fast am Tisch im Restaurant ein. Gottseidank kommt die Pasta pronto. Um neun sind wir dann im Bett! 😉
Tag 2. Wir sind wieder einigermaßen frisch. Frühstück gibt’s im wunderschönen San Gimignano ein paar Kilometer weiter. Es ist schon super, wenn man ein Riesenpanini, ein Kipferl, einen Orangensaft und einen Riesencappucchino einfach so verputzen kann. Hinterrucks fahren wir dann über zig Hügel nach Siena. Was soll ich sagen. Es ist wunderschön in der Toskana! Diese Etappe ist etwas kürzer, was gar nicht mal so schlecht ist, weil wir doch noch etwas müde von gestern sind.
Tag 3. So. Ab jetzt läuft’s wie geschmiert. Wir wissen jetzt halt wie’s geht… den ganzen Tag Radfahren. Unser Ziel: Cortona – Heimatort von Jovanotti. Die Landschaft südöstlich von Siena: unendlich weit gezogene Hügel, nur mehr wenige Bäume, die wenn dann alle in Reih und Glied entlang von langen Zufahrten zu den wenigen Häusern hier stehen. Irgendwie in der Mitte der Strecke retten wir ein schwarzes Katzenbaby aus dem Straßengraben und tragen es in die nächste Osteria, wo sich die Kinder gleich um die Pflege des Neuankömmlings kümmern. Wieder mal eine gute Tat. Die letzten 2 Kilometer sind dann ein geschätzt 13%iger Anstieg nach Cortona City… aber die Aussicht ist jeden Höhenmeter wert! Und die Pizza hier… direkt aus der Schachtel am Hauptplatzbankerl mit einem Bier. Mehr brauchen wir nicht! 😀
Tag 4. Jovanotti war dann leider doch nicht da. Heutiges Tagesziel: Perugia…. wir verlassen also die Toskana und sind jetzt in Umbrien. Kurz vor dem Lago Trasimeno bemerkt Susanne, dass ihre vordere Radnabe geschrottet ist. Die italienischen Straßen haben also volle Arbeit geleistet. Also mal Mechniker suchen, was in Italien aber doch recht schnell geht. Die Reinfahrt nach Perugia ist dann einfach nur schrecklich, super viel Verkehr und dunkle Unterführungen. Zum Schluss schieben wir am Gehsteig. Nicht so lustig. Perugia ist dafür ganz schön, aber irgendwie auch vermurkst. Wir können uns nicht so recht begeistern.
Tag 5. Nicht so weit weg von Perugia ist Assisi. Heute also mal eine Ultrakurzetappe. Die Hinfahrt ist wieder mal ein auf und ab (900 Höhenmeter auf 37km!) aber auch einfach nur superschön. Man kann schließlich nur dann Aussicht genießen, wenn man auch wo raufgefahren ist. In Assisi regnet’s dann ein bisschen, aber da sitzen wir schon längst in der Osteria und essen ENDLICH: Pasta tartufo!
Tag 6. Mittlerweile kann ich mir einen Tag ohne Radfahren gar nicht mehr vorstellen. Mit viel Gegenwind am Anfang geht es heute Richtung Todi. Inklusive einen Abstecher in den Weingarten, weil wir uns verfahren haben. Das heißt dann fast eine Stunde schieben (bergab und bergauf) weil die Straße unfahrbar ist. Interessant ist es auch, dass wir hier in Italien oft Streckenabschnitte haben, wo man sicher eine Stunde einfach nur runterfahren kann. Es geht dann ewig über zig Kurven bergab. Ich frag mich dann immer, ob wir das alles auch raufgefahren sind. Als kleines Gustostückerl gibt’s dann noch einen 18% Anstieg nach Todi rauf (alle italienischen Städte sind anscheinend auf einem Hügel!). Susanne, die Berggämse, packt die ersten 500 Meter. Ich schiebe.
Tag 7. Nach einem mehr als ausgiebigen Frühstück (mit Müsli und Obst zur Abwechslung) machen wir uns auf in Richtung Orvieto. Wir versuchen – wie immer – die viel befahrenen Straßen zu meiden und über kleine Landstraße „hinterrucks“ über die sieben Berge ans Ziel zu kommen. Diesmal haben wir eine besonders schöne Panoramatour ausgefasst. Entlang dem Tiber (der dann ja auch bis nach Rom fließt) kommen wir dann schlussendlich in Orvieto an, welche ganz malerisch auf einem Tuff-Felsplateau liegt. Hier kriege ich dann endlich mal einen Salat (nach einer mehr als einwöchigen Pizza- und Pastaorgie). Die Stadt selbst ist wirklich wunderschön (der Dom vor allem) und außerdem entdecken wir noch ein sehr liebevoll gestaltetes Rad/Design-Geschäft: Ciclo Stile Orvieto
Tag 8. Mittlerweile kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass der Tag nicht aus Radfahren besteht. Für heute ist eine kleine Etappe geplant. Bis zum Bolsenasee wollen wir fahren und eventuell noch baden. Die Strecke ist schön ruhig und die Abfahrt zum See ist echt traumhaft. Autos gibt’s auf unseren Hinten-ummi-Straßen so gut wie keine, was echt angenehm ist. Am Bolsenasee merken wir dann, dass es echt schon September und Nachsaison ist. Zum Baden ist es doch etwas zu windig und zu kühl. Wir fahren weiter nach Marta und treffen dort (TADA!) endlich auch mal eine Rennradfahrerin. Wir hatten schon das Gefühl, nur die italienischen Männer fahren hier.
Tag 9. Nachdem das Reinfahren nach Rom wohl sicher nicht zu den schönsten Etappen gehört, beschließen wir, dass wir ab Viterbo (das ist 20 km von Marta entfernt) mit dem Zug bis nach Rom zu fahren und dort ein bisschen Sightseeing zu machen. Die 20 Kilometer nach dem Frühstück gehen zackig. Uns kommen geschätzt 150 rennradfahrende Männer aller Altersstufen entgegen, die alle zu einem Club gehören. Irgendwie cool zu sehen, dass Radfahren hier so einen hohen Stellenwert hat. Im Rom gibt’s dann noch eine Minirunde von Bahnhof San Pietro zum Petersdom und nach Trastevere. Es gibt hier so gar einen coolen Radweg entlang des Tibers, aber leider nur wenige Rampen hinunter. Radl tragen mit Gepäck drauf sind wir aber eh schon gewohnt. Schließlich schlafen die Räder ja immer bei uns im Zimmer.
FAZIT nach Teil 1: Radfahren in Italien ist schön und abwechslungsreich. Die Straßen in der Toskana und Umbrien sind teilweise echt löchrig, holprig und schlecht asphaltiert. Mit normalen Asphaltschneidern am Rennrad würde das wenig Spaß machen. Unterkünfte bucht man am einfachsten am Vorabend via booking.com. Klappt sehr gut und man ist zeitlich flexibler als mit airbnb-Unterkünften. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Dass es in jedem Kaff eine Fahrradwerkstatt gibt und einen genialen Schrauber kann ich allerdings nicht sagen. Man sollte aber sowieso die meisten Sachen selber machen können 😉